Fallbeispiel: Bandscheibenvorfall Lendenwirbelsäule

 

Schilderung der Symptomatik

Patientin 61 Jahre, vor 20 Jahren Bandscheibenvorfall, L5/S1 mit Fußheberschwäche li.. Seitdem ist sie in ihrer Körperkraft und psychischen Belastbarkeit erheblich eingeschränkt, sie war psychisch und physisch sehr erschöpft.

Nun wieder Beschwerden mit ausstrahlenden Schmerzen ins betroffene Bein. Große Angst vor Verschlimmerung,  was sie zusätzlich in den alltäglichen Anforderungen blockierte. Skoliose mit auffallender Kyphosierung im Bereich der unteren BWS

Neben physiotherapeutischer Therapie mit Wärme und Massage, passiven Dehnungen, manualtherapeutischer Behandlung, von Beginn an Übungen aus der freien Atemschule

 

Übungsansatz

Ziel der Therapie war es allgemein aufbauend zu wirken, aufgrund der auffallenden Erschöpfung.  Da das Bewusstsein mit den Kräften, des Denkens, des Fühlens und des Wollens beim nachhaltigen Aufbau der Gesundheit die wichtigste Rolle einnimmt, sollte deshalb das Bewusstsein mit seinen aufbauenden und schöpferischen Kräften angesprochen und selbstaktiv tätig werden.     

Ein weiteres Ziel war es, den sehr gestauten und unbelebten Bereich in der unteren BWS, auf Höhe des Zwerchfells und des 3. Cakra, wieder mit  neuen dynamischen Kräften zu beleben. Um von hier aus die Wirbelsäule aufzurichten, zu dynamisieren und den unteren Rücken zu entlasten. Die wichtige Grundlage hierzu war, den Körper nach einem ganzheitlichen Bild des Menschen in drei Bereiche zu gliedern.          Dazu wurde die weisheitsvolle Methode der Dreigliederung des Körpers als Grundlage gewählt.

Eine gute Erholung und Aufbau für den Körper ist vor allem dann möglich, wenn das Bewusstsein nicht ständig am Körper mit seinen Schmerzen und Krankheiten haftet. Der Aufbau der Gesundheit durch das Bewusstsein geschieht, wenn der Patient lernt Gedanken in Form von lebendigen Bildern zu entwickeln. Durch lebendige bildhafte Vorstellungen werden neue Lebenskräfte erschaffen und ganz feine Empfindungen gefördert. Diese inneren Empfindungen zeigen dann bis ins Physische eine belebende und erbauende Wirkung.

Zu Beginn wurden der Patientin einfache Übungen und Bewegungen der freien Atemschule vorgeführt und besprochen damit sie sich eine gute Vorstellung von der Übung bilden konnte. Der Schwerpunkt lag auf einer einfachen unkomplizierten aber doch konkreten und realen Vorstellungsbildung. Erst danach wurde die Übung körperlich ausgeführt. So wurde mit ihr z.B. die Übung “Der Kreis” praktiziert:

In der Vorstellung wurde ein großer Kreis von ungf. einem Meter Durchmesser vor dem Körper erschaffen und dann erst  mit den Händen, von oben nach unten in langsamen Bewegungen umschrieben und ertastet. Das Empfinden für das runde Element konnte die Patientin dabei entwickeln. Bei dieser ruhigen, empfindsamen und kreative Tätigkeit konnte der Atem frei fließen und in seiner ruhigen Bewegung wahrgenommen werden.

Unter den 3 Gesichtspunkten: der Vorstellungsbildung, des frei fließenden Atems und dem gegliedertes Ausführen, wurden weitere leichte und dann auch etwas später anspruchsvollere Körperübungen geübt.

Um den gestauten und unbelebten Bereich in der unteren Brustwirbelsäule wieder mit neuen Kräften zu beleben und zu entstauen, wurden Übungen erlernt, bei denen die Dreigliederung des Körpers Grundlage ist. Aus diesem Bereich, der mit der Weite der Flankenatmung korrespondiert, wurde die Möglichkeit einer leichten und zugleich spannkräftigen Aufrichtung erübt.  

Bei der Dreigliederung des Körpers wird der obere Bereich (Kopf mit dem Nacken und dem Schultergürtel immer) gelöst. Dies entspricht einer (von Emotionen) freien Vorstellungsbildung. Beine und Becken bewahren je nach Übung eine Kraft, Stabilität oder Sammlung, als Symbol für den physischen Körper. Die Mitte des Körpers mit der Flankenregion steht für das Seelenleben. Von hier kann sich der ausdehnende und weitende Bewegungsimpuls entfalten.

Es ist z. B. eine einfache vorbereitende Übung zum Bogen zum Einsatz gekommen. Diese wurde ebenfalls zunächst vorgeführt, besprochen und dann mit der Patientin geübt:

Aus der Bauchlage wird ein Arm,  und das diagonal liegende Bein leicht nach oben angehoben. So dass ein schöner, nach oben offener Bogen im Raum entsteht (dies ist eine klassische Übung in der Krankengymnastik zur Stärkung der Rückenmuskulatur. Als Übung der freien Atemschule kommt, neben der Vorstellungsbildung und dem freien Atem, die Idee der Gliederung hinzu. So bleibt der Schultern-Nackenbereich gelöst, während das Bein aus der Kraft des unteren Rückens angehoben wird). Die Gliederung ermöglicht es, das dritte Zentrum auf Höhe des 10. bis 12. Brustwirbels gut wahrzunehmen und von dort aus, die Wirbelsäule mit einer gezielten Kraftumsetzung nach beiden Richtungen in eine aufsteigende Bogenform weiter auszudehnen. Die gesamte Wirbelsäule wird von regenerativen lebendigen Kräften während und nach der Übung durchströmt. Die Flankenatmung mit ihrer weiten, belebenden Wirkung wird damit intensiv angeregt.

Ebenfalls wurden Übungen wie z.B. Waage, Dreieck und stehender Halbmond, Nierenatmung u.a. nach und nach mit der Patientin auch unter Berücksichtigung der Dreigliederungsgedanken geübt.

 

Fazit:

Die Patientin erlebte unmittelbar, dass durch diese Vorgehensweise sie die Übungen leichter, und schmerzfreier ausführen konnte. Dadurch übte die Pat. regelmäßig, was für ihre Genesung sehr von Vorteil war.

Auch erlebte sie durch diese bewusste und schaffende Vorgehensweise beim Anwenden der Übungen wie der Atem den Körper viel freier und leichter durchströmte und das Nervensystem sich unmittelbar beruhigte. Die Bewegungen erlebte Patientin ebenso freier und leichter, was ihr mehr Sicherheit vermittelte.

Da das Praktizieren mit mit Vorstellungen zu einem individuellen Erleben in der Übung führt, versorgt dies den Körper mit neuen Kräften und Impulsen. Die Patientin wurde durch die spezielle Art der Anwendung der Körperübungen zunehmend kräftiger und leistungsfähiger. Psychisch wirkte sie zunehmend sicherer und freudiger. Die Patientin kann nach über 20 Jahren wieder längere Wanderungen von fünf bis sechs Stunden ausführen.